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Kurze Einführung in den Sterbeprozess aus tibetisch-buddhistischer Sicht von Khenpo Tenpa Yungdrung Rinpoche, Abt des Kosters Triten Norbutse in Kathmandu

Das Wichtigste ist, dass man spirituelle Stärke und Wissen entwickelt. Das ist wirklich sehr wichtig. Jeder Mensch muss irgendwann früher oder später sterben. Da gibt es keine Ausnahme, für niemanden, dessen muss man immer gegenwärtig sein. Wenn wir dann sterben, haben wir keine Wahl, wir müssen das akzeptieren.

Wir Menschen bestehen nicht nur aus einem Körper, sondern aus Körper, aus Sprache oder Energie und aus unserem Geist. Es sind diese drei Aspekte, die unser Sein ausmachen. Der wichtigste Aspekt des Menschseins ist unser Geist oder der mental-kognitive und emotionale Teil. Dieser Aspekt lässt uns lebendig sein, lässt uns glücklich sein oder lässt uns leiden und Schmerzen erfahren. Wenn wir über Leiden, Schmerzen oder Glück sprechen, dann sind das lediglich Wellen unserer Emotionen in unserem Geist. Das hat nicht so viel mit unserem Körper zu tun. So lange unser Geist mit dem Körper verbunden ist, ist es nur natürlich, dass sie sich gegenseitig beeinflussen. Ist der Körper nicht so gesund, dann berührt uns dies emotional. Sind unsere Emotionen im Ungleichgewicht, beeinflusst dies den physischen Körper und kann dazu führen, dass wir krank werden.

Wann immer man sterbend ist – das Wichtige in dieser Situation ist der Geist. Wenn man sich in einer sehr instabilen Krankheitsphase befindet, werden automatisch die Gedanken und die Emotionen Leid kreieren. Man fühlt sich unglücklich, macht sich Sorgen etc. Genau hier setzt der spirituelle Pfad an.

Zunächst ist es hilfreich, dass man seinen Geist und die Gedanken öffnet: “Das ist mein Körper und der ist in dieser sehr ungünstigen Situation, daran kann ich jetzt nichts ändern, aber ich kann versuchen, dass mein geistiger Zustand und meine Emotionen mich nicht überschwemmen und ich niedergeschlagen werde.“

So stark wie möglich müssen wir unseren Geist in eine positive Richtung lenken. Wir müssen bewusst die Gedanken emotional und mental in positive Zustände lenken. Dazu gibt es in unserer Tradition viele verschiedene Möglichkeiten den Geist zu zähmen und in eine positive Richtung zu lenken. Zum Beispiel gibt es eine große Anzahl hilfreicher Mantras, Gebete, Visualisierungen und Rezitationen und noch so vieles mehr. Bei dem Aufsagen von Mantras ist das nicht nur ein einfaches Herunterrasseln von Keimsilben, sondern damit werden positive Gefühle und positive Energie im Sterbenden selbst erzeugt, und das gibt dem Sterbenden eine große mentale Stärke, was wiederrum negative Gedanken und Emotionen reinigt. Im Prinzip können sie (Mantras, Gebete, Rezitationen etc.) jede Form von Störungen minimieren, ja sogar auflösen. Wenn man bestimmte Mantras rezitiert, hilft das zudem den Geist mehr zu fokussieren und zu klären. Wenn der Geist dann mehr fokussiert ist, wird man eine sehr große Stärke in sich finden. Das lässt den Geist wieder mehr positiv erscheinen und klarer werden. Es ist enorm wichtig einen klaren, offenen, fokussierten und positiven Geisteszustand zu generieren.

Das wichtigste Mantra für Sterbende in unserer Tradition lautet:

A KAR A MÄ DU TRI SU NAK PO ZHI ZHI MAL MAL SO HA.

Es ist ein Reinigungsmantra bei negativen Energien und es reinigt karmische Tendenzen. Wenn man dieses Mantra rezitiert, arbeiten wir zusätzlich mit unserer Visualisierung. Beim Rezitieren des Mantras entstehen Lichtstrahlen aus dem Herzen des Buddha Tapihritsa. Diese Lichtstrahlen dringen durch die Fontanelle in den Körper ein und sie reinigen alle Negativität des Geistes und klären ihn. Damit werden die aktuellen Beschwerden gereinigt. Alle störenden Umstände und Hindernisse werden beseitigt, ob sie emotionaler, mentaler oder karmischer Natur sind. Alles wird aufgelöst und gereinigt durch dieses Licht des Mantras. So sollte man sich mit der spirituellen Praxis verbinden.

Man hat also seine Willenskraft zu stärken, so dass man kraftvoll wird, die Emotionen sollten sich positiv verwandeln, so dass man seine Lebenssituation akzeptiert. Zu sterben bedeutet nicht, dass man in ein emotionales Loch fällt. Körperlich hat man nun diese Erkrankung, was immer die Ärzte tun können, das tun sie, es liegt nicht so sehr in unseren Händen, aber was wir tun können, ist, uns um unseren Geist zu kümmern. Es ist hilfreich alle Energie dafür zu verwenden. Es liegt an jedem selbst, ob man seinen Emotionen freien Lauf gewährt und depressiv wird, oder ob man sich dafür entscheidet frei zu werden von emotionalem Schmerz. Das ist sehr wichtig.

Eine weitere meditative Praxis ist der Guru Yoga. Es ist eine Methode, um sich mit der spirituellen Energie zu verbinden; der spirituellen Energie deines wahren Wesens. Guru bedeutet der spirituelle Lehrer, Yoga bedeutet Reinigung. Guru bedeutet nicht ein Lehrer als menschliches Wesen. Wir verbinden uns mit der erleuchteten Qualität, die wir in unserer Tradition Buddha-Natur nennen. Unser Geist ist in seiner reinen Kondition, rein und pur. Unser Geist wird nur deshalb unrein, weil wir Konzepte kreieren, Gedanken erschaffen, Emotionen sich bilden lassen, so dass diese immer gröber und gröber werden. Sind sie dann so stark, kreieren sie schnell Probleme, Schmerzen und Sorgen. Die Reinheit unseres Geistes versteckt sich dann, wie die Sonne hinter den Wolken verdeckt ist. Guru Yoga ist ein Weg um sich mit der verdeckten Buddha-Natur zu verbinden. Der eigenen Buddha-Natur. Diese Praxis ist ebenso sehr kraftvoll und kann uns sehr nützlich sein.

Erklärung des Mantras:

A KAR – repräsentiert den reinen Geisteszustand
A MÄ – repräsentiert den leuchtenden Weisheitsgeist
DU TRI SU – repräsentiert die drei negativen Emotionen – Abneigung, Anhaftung und Unwissenheit
NAK PO – repräsentiert Negativität
Zhi Zhi – beruhigt die Leiden in Samsara
MAL MAL – erlangen eines glückseligen Geisteszustands
SO HA – beseitigt alle Negativität aus Mangel an Verständnis/Missverständnis

Über Khenpo Tenpa Yungdrung Rinpoche

Khenpo Tenpa Yungdrung Rinpoche wurde 1969 in Dhorpatan, einer abgelegenen Gegend im Westen von Nepal, geboren. Im Alter von elf Jahren schloss er sich den Mönchen des nahe gelegenen Klosters Tashi Gegye Taten Ling an. Nach Abschluss eines Grundstudiums über rituelle Bön-Texte und tibetische Kalligraphie wechselte er nach Dolanji in Indien, um seine Studien an der Schule für Dialektik des dortigen Klosters Menri fortzusetzen.

Während der nächsten 13 Jahre studierte Khenpo Tenpa Yungdrung das gesamte philosophische System des Yungdrung Bön aus Sutra, Tantra und Dzogchen; dazu die allgemeinen tibetischen Wissenschaften, einschließlich der tibetischen Grammatik, Poetik, der weißen und schwarzen Astrologie, der Sanskrit-Grammatik, der heiligen Geometrie und Kunst und der allgemeinen tibetischen Medizin.

Nachdem er in Menri erfolgreich seine Examen abgelegt hatte und ihm der Geshe Titel (vergleichbar mit einem Doktor-Titel) verliehen worden war, ging Tenpa Yungdrung im Jahr 1994 nach Kathmandu in Nepal, um dort seine Studien des Tantra und Dzogchen am Triten Norbutse Kloster unter der Anleitung von Yongdzin Lopon Tenzin Namdak Rinpoche fortzusetzen.

Im Jahr 1996 ernannten ihn Seine Heiligkeit 33. Menri Tridzin Rinpoche und Seine Eminenz Yongdzin Lopon Tenzin Namdak Rinpoche zum Pönlob (Hauptlehrer) des Triten Norbutse Klosters, wo er seither an der Yungdrung Bön Akademie für Höhere Studien lehrt.

Im Jahr 2001 wurde Tenpa Yungdrung Rinpoche von Seiner Heiligkeit Menri Trizin Rinpoche und Seiner Eminenz Yongdzin Lopon Tenzin Namdak Rinpoche zum Khenpo (Abt) des Klosters Triten Norbutse ernannt.

Buddha Tapihritsa

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Informationen zu Seminaren mit Khenpo Tenpa Yungdrung Rinpoche bei:

Yungdrung Bön-Stiftung
Christine Trachte
0176 43023477
yungdrungbon.stiftung@gmail.com
www.yungdrungbon-stiftung.de